FRAGE ZUR ARBEITSKRAFT

BU oder Grundfähigkeitsversicherung?

Zwei Wege, deine Arbeitskraft abzusichern, mit unterschiedlichem Leistungsauslöser. Hier siehst du, was das im Ernstfall heißt.

Kurz gesagt

Wenn du eine BU zu vernünftigen Bedingungen bekommst, ist sie meist die erste Wahl: Sie zahlt, sobald du deinen Beruf zu mindestens 50 % nicht mehr ausüben kannst. Die Grundfähigkeitsversicherung zahlt nur, wenn du eine versicherte Fähigkeit wie Sehen, Gehen oder den Gebrauch der Hände verlierst. Sie ist oft günstiger und eine echte Alternative, wenn die BU zu teuer oder nicht versicherbar ist.

Was löst den Leistungsfall jeweils aus?

Die Berufsunfähigkeitsversicherung fragt, ob du deinen zuletzt ausgeübten Beruf zu mindestens 50 % noch ausüben kannst. Ein guter Tarif verzichtet auf die abstrakte Verweisung: Der Versicherer darf dich dann nicht auf einen anderen, theoretisch zumutbaren Beruf verweisen.

Die Grundfähigkeitsversicherung prüft deinen Beruf nicht. Sie zahlt eine monatliche Rente, wenn du eine definierte Grundfähigkeit dauerhaft verlierst, etwa Sehen, Hören, Gehen, Stehen, Treppensteigen oder den Gebrauch der Hände. Je nach Tarif kommen weitere Fähigkeiten wie Sprechen oder Autofahren dazu.

Wann ist die BU die bessere Wahl?

Die BU ist breiter aufgestellt, weil sie an deinen Beruf anknüpft und nicht an eine Liste von Fähigkeiten. Das zählt besonders bei Ursachen, die keine körperliche Fähigkeit nehmen: Psychische Erkrankungen sind laut MORGEN & MORGEN mit 32 % der BU-Fälle die häufigste Ursache.[1]

Über eine Nachversicherungsgarantie kann die BU-Rente bei Ereignissen wie Gehaltserhöhung, Heirat oder Geburt ohne neue Gesundheitsprüfung steigen. Als Richtwert für die erste Bedarfsrechnung gelten 80 % deines Nettoeinkommens; deine tatsächliche Lücke rechnest du mit dem BU-Rechner aus.

Wann ist die Grundfähigkeitsversicherung sinnvoll?

  • Dein BU-Antrag wurde abgelehnt oder mit Ausschlüssen versehen.
  • Du arbeitest körperlich und dein Beruf hat ein hohes Unfallrisiko.
  • Dein Budget ist begrenzt; die Grundfähigkeit ist häufig deutlich günstiger als eine BU.
  • Du willst deine BU um einen einfachen Leistungsauslöser ergänzen.

Warum reicht der Staat in beiden Fällen nicht?

Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente knüpft nicht an deinen Beruf an, sondern an dein restliches Leistungsvermögen in irgendeiner Tätigkeit. Die volle Rente gibt es erst unter drei Stunden täglich, zwischen drei und sechs Stunden nur die halbe.[2] Wer seinen eigenen Beruf nicht mehr ausüben kann, theoretisch aber etwas anderes könnte, bekommt nichts. Mehr dazu auf unserer Seite zur Berufsunfähigkeitsversicherung.

VERGLEICH

BU und Grundfähigkeit im Vergleich.

KriteriumBerufsunfähigkeitsversicherungGrundfähigkeitsversicherung
LeistungsauslöserZuletzt ausgeübter Beruf zu mindestens 50 % nicht mehr möglichDauerhafter Verlust einer versicherten Fähigkeit
BerufsprüfungJa; ohne abstrakte Verweisung zählt nur dein BerufNein
UmfangBreiter aufgestelltEnger definiert, auf die versicherten Fähigkeiten begrenzt
BeitragAbhängig von Beruf, Alter, Gesundheit und BedingungenHäufig deutlich günstiger als eine BU
LeistungMonatliche BU-RenteMonatliche Rente
Typischer EinsatzGrundschutz für dein EinkommenAlternative bei Ablehnung, Ausschlüssen oder begrenztem Budget; Ergänzung zur BU

HÄUFIGE FRAGEN

Kurz beantwortet.

Was ist der Unterschied zwischen BU und Grundfähigkeitsversicherung?

Die BU zahlt, wenn du deinen konkret ausgeübten Beruf zu mindestens 50 % nicht mehr ausüben kannst. Die Grundfähigkeitsversicherung leistet, wenn du eine versicherte Fähigkeit wie Sehen, Hören, Gehen oder den Gebrauch der Hände dauerhaft verlierst. Sie ist oft günstiger, aber enger definiert.

Ist die Grundfähigkeitsversicherung ein Ersatz für die BU?

Nicht direkt. Die BU ist breiter aufgestellt. Wenn eine BU nicht oder nur mit starken Einschränkungen möglich ist, ist die Grundfähigkeitsversicherung aber eine sinnvolle Alternative.

Kann ich BU und Grundfähigkeit kombinieren?

Ja, das kann sinnvoll sein. Die BU deckt deinen Beruf ab, die Grundfähigkeit ergänzt bei konkreten körperlichen Einschränkungen. Welche Kombination passt, hängt von deinem Beruf, deinem Budget und deiner Gesundheit ab.

Was tun, wenn die BU wegen Vorerkrankungen schwierig wird?

Zuerst eine anonyme Risikovoranfrage bei mehreren Versicherern stellen, bevor etwas im Antrag landet. So siehst du vorher, wer zu welchen Konditionen annimmt. Erst wenn eine BU nicht oder nur mit starken Ausschlüssen möglich ist, rückt die Grundfähigkeitsversicherung in den Vordergrund.

Reicht nicht die gesetzliche Erwerbsminderungsrente?

In aller Regel nicht. Die volle Erwerbsminderungsrente gibt es nur, wenn du in irgendeiner Tätigkeit weniger als drei Stunden täglich arbeiten kannst, zwischen drei und sechs Stunden nur die halbe (§ 43 SGB VI). Auf deinen eigenen Beruf kommt es dabei nicht an.

Quellen

  1. [1]MORGEN & MORGEN — Marktblick Berufsunfähigkeit 2026 (05.05.2026). https://morgenundmorgen.com/magazin/mm-marktblick/m-m-marktblick-berufsunfaehigkeit-2026/
  2. [2]Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de) — § 43 SGB VI Rente wegen Erwerbsminderung. https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_6/__43.html

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